Mit Ferraris durch die Wüste

Neben den amerikanischen Parks, die getreu dem Motto „höher, schneller, weiter“ agieren, gibt es nun seit fast einem Jahrzehnt eine riesige, rote Halle mitten in der arabischen Wüste, die gleiches verspricht. Man möchte meinen, dass dieser Ort zu einer Pilgerstätte für Achterbahnjunkies geworden ist. Die beiden Hauptakteure „Formula Rossa“ und „Flying Aces“ versprechen ein atemberaubendes Erlebnis.

Durch die gegenüberliegende Mall betritt man über eine Brücke den Bereich des Freizeitparks. Wir konnten bereits eine halbe Stunde vorher die Schleusen passieren und bis zur Absperrung vordringen. Es bot sich ein atemberaubender Blick auf diese einzigartige Hallenkonstruktion und die Erlebniswelt, die sich vor einem aufbaute. Eine Luxuskarosse neben der anderen zierte den Eingangsbereich. Auch wurden die ersten Gäste mit einem Countdown begrüßt. Hier wurde immer wieder betont, welche Weltrekorde der Park zu bieten hat. Mit Formula Rossa war das noch ganz leicht, als der Moderator sich dann allerdings den Rekord von „Flying Aces“ aus den Fingern zog, war das eher peinlich. Das erinnerte an die Weltrekorde eines Familienparks in Brühl bei Köln. Weiter wurden die sehr teuren Extra-Angebote des Parks stark beworben. Die letzten 10 Sekunden brachen an und mit Abschluss des Countdowns schoss der erste Wagen von „Turbo Track“ in der Hallenmitte empor. Die wartenden Gäste wurden hereingelassen und stürmten zu den beiden Hauptattraktionen. Wir entschieden uns in weiser Voraussicht für Formula Rossa. Es war zum Glück sehr leer an der Weltrekordachterbahn und daher das Gedrängel auch nicht allzu hoch.

Formula Rossa

Angekommen im Bereich der schnellsten Achterbahn der Welt, steuerten wir direkt auf das berühmte Schild der Attraktion zu und unsere Anspannung wuchs. Ernüchterung gab es dann allerdings erstmal in der Warteschlange. Wir haben nicht viel erwartet, aber die wenigen Erwartungen die wir hatten, wurden mit dieser Warteschlange noch einmal weit untertroffen. Aber dadurch, dass wir die aller ersten an diesem Tag waren, mussten wir diesen Bereich auch nicht weiter begutachten. Nachdem sehr gründlich überprüft wurde, ob wir auch wirklich keine losen Gegenstände bei uns trugen, erhielten wir unsere Schutzbrillen und wir stiegen in den ersten Zug des Tages. Unter tosendem Applaus der Mitarbeiter ging es zur Startposition. Die Ampel signalisierte uns wann es los geht. Was dann geschah, war nicht zu fassen! Mit einem Druck preschte die Bahn nach vorne. Jegliche Mimik verschwand und verwandelte sich in einen lauten Freudenschrei. Gefühlt dauern die 4,5 Sekunden ewig und der Zug scheint mit dieser wahnsinnigen Beschleunigung nicht mehr aufhören zu wollen. Direkt danach folgt eine Bremse, die für die Insassen wohl aufgrund des Geschwindigkeitsrausch für die Mitfahrer kaum spürbar verläuft und den Zug etwas drosselt. Der weitere Streckenverlauf fordert mit extremen Kräften noch einiges ab. Zugegebenermaßen verliert die Bahn gegen Ende doch deutlich an Geschwindigkeit, was die Bahn am Ende nicht mehr so spannend dastehend lässt. Aber bei diesem Anfang und den Kräften der ersten Airtime Hills und Kurven kann man das mehr als verkraften. Mit tosendem Applaus geht es zurück in die Station. Echt eine super Bahn mit einer wahnsinnigen Beschleunigung. Allerdings sollte man hier kein großartiges Gesamterlebnis erwarten. Es geht nur um die Kräfte. Aber für uns hat das mehr als gereicht!

Zurück im Hauptgebäude, wollten wir uns eigentlich ein Erinnerungsfoto kaufen. Uns war bewusst, dass das nicht allzu günstig wird. Bei den Preisen für den Eintritt, welche hier aufgerufen werden, konnte dieses auch einfach nicht günstig sein. Aber als die Dame meinte, dass es bei 135 AED beginnt (umgerechnet circa 35€), staunten wir nicht schlecht. Diese Preisgestaltung zog sich leider durch den ganzen Park. (Denn, dass das anders geht, wird der Reiseverlauf zeigen. Lest hierzu bald den Bericht auf coaster-network.de.)

Auf unserem Weg zur nächsten Achterbahn, begaben wir uns auf „Benno’s Great Race“, einem interaktiven, schienenlosen Darkride, bei dem man mit seinem Gabelschlüssel sich den Weg freischlagen muss. Spannend und gut umgesetzt. Hat uns echt gut gefallen. Zudem haben wir dem Simulator „Driving with the Champion“ einen Besuch abgestattet. Nach einer sehr langen Pre-Show begaben wir uns in die Simulatoren, die uns über den Fiorano Track und durch die Straßen Maranellos brachten. Sagen wir mal so: langatmig. Nicht wirklich spannend und schlecht thematisiert. Auf unserem Weg zur „Fiorano GT Challenge“ schlenderten wir durch ein Stück Italien, welches durch viele Details auffiel. Lediglich der Blick an die Decke desillusionierte wieder etwas.

Fiorano GT Challenge

Am Ende der Meile erwartete einen „Fiorano GT Challenge“, ein Duelling Coaster aus dem Hause Maurer. Thematisch liegt dieser Bereich dann wieder auf dem Niveau der „Formula Rossa“. Lediglich das Schild zeigt, dass man sich auf der anderen Seite der Halle befindet und der Bahnhof ist aufgrund der zwei Bahnen modifiziert. Auf dieser Bahn tritt man in den schön thematisierten Zügen gegeneinander an und wird je Strecke 4-mal per LSM (Linearer Synchron Motor) beschleunigt. Die Fahrt macht unheimlich Spaß und der Duelling Effekt kommt schön hervor. Auch wenn die Beschleunigungsstrecken durchaus sehr überplatziert wirken. Generell wird man bei den Parks das Gefühl nicht los, dass man Sachen nur eingebaut hat, um sie eingebaut zu haben und nicht weil es in irgendeiner Hinsicht sinnvoll ist.

Weiter durch das italienische Dorf kommt man direkt am Darkride „Made in Maranello“ vorbei. Er soll die Entstehungsgeschichte eines neuen Ferraris darstellen. Von der Idee bis zur Teststrecke sind hier alle wichtigen Stationen visualisiert. Thematisch ist der Ride auf einem guten Niveau und kommt mit einem schienenlosen System daher. Auch wenn dieses System gar nicht ausgenutzt wird. Ich bin der Meinung, dass man so ein fortschrittliches Fahrsystem eben auch nutzen sollte. Aber naja, die Attraktion ist in Ordnung. Konträr steht die Attraktion „Speed of Magic“. Diesmal mit Schiene geht es auf eine Reise durch verschiedene Settings. Durch die immersiven Bildschirme und geschickte Drehungen der Gondel hat man ein geniales Erlebnis und wird von förmlich reingesogen. Ein schöner Zeitvertreib und toll umgesetzt.

Flying Aces

Diese Achterbahn lebt leider etwas ein Schattendasein. Und schonmal vorweg: völlig unberechtigt. Denn hier erwartet einen ein Wingcoaster der Firma Intamin mit unter anderem dem höchsten Non-Inverted Loop. Durch den imposanten Eingang, der thematisch schon mal alles andere in den Schatten stellt, was die Ferrari World diesbezüglich sonst zu bieten hat, begibt man sich dann in eine völlig geschlossene Themenwelt hinein. Man wird völlig in das Thema rund um den erfolgreichsten italienischen Piloten der Wehrmacht im ersten Weltkrieg hineingesogen. Die ganze Szenerie ist einladend ausgestaltet und bereitet einen wunderbar auf das spannende Erlebnis vor. Durch Schleußen gelangt man in den Einsteigebahnhof zum Zug. Auch hier setzt sich das Thema fort. Der Zug ist in Anlehnung an einen Flieger der Wehrmacht gestaltet und zieht die Mitfahrer auf einem sehr steilen Lifthill mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit auf die knapp 60 Meter. Der Zug stürzt darauffolgend in die Tiefe und vollführt das erste Element: Den Non-Inverted Loop. Das macht einfach richtig Spaß und die wahnsinnigen Kräfte ziehen einen direkt weiter durch die anderen Elemente. Der Bahn geht bis zum Ende nicht die Luft aus und sie fährt sich butterweich. Ein großartiges Erlebnis! Lediglich der Bereich nach der Schlussbremse hätte auch noch thematisiert werden können. Aber im Gesamten ist die Anlage ganz großartig und lädt zu vielen weiteren Fahrten ein! Macht echt sehr viel Spaß. Hut ab, Ferrari World.

Gerne hätten wir im Anschluss den SFX-Coaster von Dynamic Attractions getestet, welcher seinen Part durch die Halle direkt vor dem Eingang von „Flying Aces“ hat. Leider befindet dieser sich seit 4 Jahren in Bau und die Eröffnung wurde immer weiter verschoben. Angeblich soll es dieses Jahr soweit sein. Wir werden sehen.

Etwas unterhalb der Wege findet man eine Fahrt durch die italienische Landschaft. Auch ein paar ferngesteuerte Boote sind an dieser Stelle platziert.

Turbo Track

Doch unser Interesse galt viel mehr dem „Turbo Track“. Dies ist ein Reverse FreeFall Coaster der Firma Intamin. Die Strecke zieht durch die Leuchtschrift an der Seite der Schiene alle Blicke auf sich. Die Warteschlange der Attraktion ist nicht unbedingt auf dem Niveau des Wingcoasters von gerade eben, allerdings thematisch schön zum Thema Geschwindigkeit umgesetzt worden. In der Station begibt man sich in das Vehikel und wird, doch deutlich intensiver als das von außen aussehen mag, beschleunigt. Der Wagen wird in der Mitte vertikal aus der Halle geschossen und man kann, wenn auch nur kurz, die Aussicht genießen. Bevor man rückwärts wieder in die Halle hinein fährt und wieder abgebremst wird. Das Erlebnis dauert nur wenige Sekunden ist aber für ein einmaliges Erlebnis bestens geeignet.

Als letzte Attraktion stand uns noch das Flying Theatre „Viaggio in Italia“ bevor. Der Wartebereich glich einer tristen Wartehalle und auch sonst war das thematisch mehr schlecht als recht umgesetzt. Das Theater selbst ist mit drei Armen ausgestattet, die jeweils 3 Gondeln tragen. Der Arm wird aufgerichtet und die Gondeln in die Kuppel gehoben. So ist der Einstieg deutlich komfortabler, allerdings ist dieser riesige Einstiegsbereich auch nicht gerade hübsch.

Nun aber zur Fahrt: Die Gondelbewegung war in Ordnung. Lediglich die Wasserspritzer funktionierten echt schlecht, sodass die Hosen mehrerer Fahrgäste danach sehr nass waren. Zudem war der Film qualitativ minderwertig. Bei unserem Besuch war nur die linke Seite in Betrieb (warum auch immer nicht die Mittlere), was ja nicht unbedingt schlecht sein muss. Hier aber schon! Das Bild war komplett verzerrt, unscharf und nicht gerade spannend. Also eine Attraktion die definitiv niemand braucht. Und dafür standen wir auch noch (verhältnismäßig) lange an.

Ferrari World bieten des Weiteren noch Attraktionen, bei denen man in verschiedenen Simulatoren selbst zum Rennfahrer werden kann. Diese müssen allerdings extra bezahlt werden. Wer Kart fahren, im Simulator eine Runde drehen oder einmal im echten Ferrari über die Rennstrecke fahren möchte, der zahlt zwischen 20 und 200 Euro extra.

Nun aber zum Fazit: Extra für den Park würden wir auf keinen Fall hierher fliegen. Falls man allerdings im Rahmen einer Orient Reise einen Abstecher machen möchte, bietet sich das trotz der hohen Eintrittspreise an. Sinn macht es sich auch vergünstigte Tickets im Voraus zu kaufen. Zudem gibt es für Ferrari Fans einiges zu erleben und zu entdecken. Aber insgesamt ist es an leeren Tagen einfach zu wenig, viel zu wenig. Für knapp 70 Euro bekommt man gerade einmal circa 10 größere Attraktionen und einige für die wieder viel Geld ausgegeben werden muss. Auch Souvenirs und Fotos sind, wie schon erwähnt, unfassbar teuer. Aber „Flying Aces“ hat vieles wieder Wett gemacht. Einfach eine großartige Bahn. Auch „Formula Rossa“ bereitet viel Freude. Achtet aber unbedingt darauf, den Besuch nicht auf einen Freitag oder Samstag zu legen und bereits zur Öffnung den Park aufzusuchen.

Wir haben zudem noch den Motion Gates Park in Dubai besucht. Den Beitrag dazu findet Ihr in den nächsten Tagen ebenfalls hier auf Coaster-Network. Um die zukünftigen Beiträge nicht zu verpassen, abonniert doch direkt unseren Newsletter. Wir freuen uns auf Dich!

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